Als seit Jahren bekennender Common Purpose – „Getreuer und Verehrer“ (Ich hatte mit dem Generali Zukunftsfonds wertvolle Starthilfe für Common Purpose im Rheinland leisten können) freue ich mich sehr, heute eine Idee bzw. ein Konzept bei Ihnen zu plazieren, das perfekt zu den erkennbaren Corona – Konsequenzen passt und einen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft leistet.

Als erfolgreiches Modell der Wirksamkeit, das auf der Selbstverpflichtung der Akteure für eine gemeinsame Zielsetzung und für ein gemeinsames Vorgehen beruht, möchte ich Ihnen in einem ersten Schritt den Geschmack von „Collective Impact“ vermitteln.

Wenn wir uns mit Veränderungen und Transformationen beschäftigen, beschreibt das Akronym VUCA recht treffend die Ausgangssituation:

  • Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität bringen die Herausforderungen auf den Punkt.

Disruption scheint das Phänomen unserer Zeit zu sein, in der oft kein Stein auf dem anderen bleibt. Hier nur schlaglichtartig und unvollständig einige aktuelle gesellschaftliche Problembereiche und unternehmerische Herausforderungen, die uns beschäftigen und die es bei aller Komplexität mitzugestalten gilt:

  • Migrationsbewegungen; die Integration der Schutzsuchenden in die Arbeitswelt ist noch lange nicht bewältigt.
  • Die superdiverse Gesellschaft als Bereicherung unserer Arbeits-und Lebenswelt
  • Klimaschutz; Selbstverpflichtungen scheinen nicht auszureichen
  • Digitalisierung, sie macht manchen Angst, andere sehen enorme Chancen
  • New Work nach oder besser mit Corona / Gefahr einer Spaltung des Arbeitsmarktes in Prekariat und Wissensavantgard / Reduzierung von „Arbeit“ auf Erwerbsarbeit ?
  • Demografische Herausforderungen werden jetzt in allen Bereichen leidvoll spürbar
  • Bildungsungerechtigkeit, durch Corona noch potenziert
  • Later Life Work …trotz aller gegenteiligen Erkenntnisse dominieren defizitäre Altersbilder und führen zur Verzwergung der Älteren

Corona hat vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen zu einer zusätzlichen Tiefenkrise geführt, da die Pandemie alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen und „in Schwingung“ gebracht hat. Die Virusbekämpfung ist mit echten Eingriffen in die Lebenswirklichkeiten einhergegangen.

Eigentlich müssten wir mit der neuen unsicheren Realität nach der Finanz-und Eurokrise schon ein wenig vertraut sein. Aber für viele scheint das Gegenteil zuzutreffen. Von Mal zu Mal machen sich diejenigen deutlicher bemerkbar, die nicht abgeklärter und krisenerfahrener, sondern unruhiger, desorientierter, auch agressiver auf neue Zumutungen reagieren. Vielleicht ist die mangelnde Krisenresilienz das Resultat relativ unbeschwerter bundesdeutscher Jahrzehnte, aus denen der Anspruch erwachsen ist, es müsse einfach immer so weitergehen.

Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass in immer kürzeren Abständen nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Die Folgen dieser Erschütterung für die bundesdeutsche Stimmungslage sind zwar langsam, aber erkennbar in das Bewusstsein gedrungen.

In allen Sektoren hat vor diesem Hintergrund eine intensive Beratung begonnen, wie ein „Neues Normal“ mit Corona aussehen kann:

Die virtuelle Welt wird eine größere Rolle einnehmen. Nach langer Zeit der eher theoretischen Digitalisierungs-Diskussion sind wir jetzt gewissermaßen über Nacht und nahezu ohne Vorbereitung in eine real-digitale Phase geraten, in der persönliche Begegnungen kostbar geworden sind.

Es ist, als wäre der Korken aus der Flasche geflogen. 

Die Kunst wird nun darin liegen, das Persönliche im Digitalen zu entwickeln und die digitale Welt in die Persönliche einzuschließen.

Parodoxerweise haben wir in den letzten Wochen erlebt, dass die körperliche Distanz, die der Virus erzwungen hat, gleichzeitig eine neue Nähe erzeugt hat:

Alte Freunde wurden wieder häufiger kontaktiert, Bindungen wurden verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien und Nachbarn sind häufig wieder aneinandergerückt.

Man erwischt nicht nur die Anrufbeantworter, wenn man anruft, sondern real vorhandene Menschen.
Es ist eine neue Kultur der Erreichbarkeit entstanden.
Wir kommunizieren eher mehr als weniger miteinander.

Ich beschränke mich hier auf die positiven Aspekte der Krise, die zugleich eine Reihe immens großer Probleme erzeugt hat, häufig wie ein Brennglas bestehende Probleme verdeutlicht und in exponentieller Weise Chancenungleichheiten verstärkt.

Viele Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen teilen die Auffassung, dass der Lock - down mit seinen Auswirkungen das Bedürfnis nach Gemeinsinn und gesellschaftlichem Zusammenhalt verstärkt hat.

Ein knappes Gut macht eben begehrlich - und das knappe Gut während der Pandemie-Hochpase waren persönliche Zusammentreffen und gemeinschaftliche Erlebnisse. Und genau in diesem Kontext scheint das gemeinschaftliche Zusammenwirken über gesellschaftliche Sektoren hinaus das Gebot der Stunde zu sein:

Unternehmen, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft sind gleichermaßen gefordert, bisher ungeahnte Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Nur durch das frei von Eitelkeiten geprägte Verständnis einer effizienten Zusammenarbeit zwischen den Sektoren können wir komplexe Problem lösen.

Nun können Sie zurecht einwenden, dass es doch längst sektorenübergreifende Netzwerkarbeit und z.T auch Kooperationen gibt.

Ja, Netzwerkarbeit ist ohne Zweifel wertvoll, sie erschöpft sich aber häufig in unverbindlicher Zusammenarbeit. Man betont die Gemeinsamkeiten, verpflichtet sich aber zu nichts. Niemand muss etwas aufgeben, sich an Erfolgen messen lassen oder gar Ressourcen teilen. Das ist praktisch, aber wirkungslos.

Eine echte Kooperation im Sinne von Collective Impact hingegen verlangt neben Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit das Teilen von Ressourcen. Sie setzt ein gemeinsames Problemverständnis und gemeinsame Zielsetzungen voraus.

Gemeinsame Erfolgsindikatoren erlauben es allen Akteuren, ihre Aktivitäten auf die Erreichung der gemeinsamen Ziele auszurichten und ermöglichen ein systematisches Lernen aus Erfolgen / Mißerfolgen. Die Partner stärken sich untereinander, in ihren Kompetenzen und Aktivitäten.

Viele Praxisbeispiele der Vergangenheit belegen die notwenigen Voraussetzungen für erfolgreiches gemeinsames Wirken :

  • Gemeinsame Zielsetzung: Gleiche Vision und Zielformulierung Übereinstimmung auf einen gemeinsamen Ansatz für die Problemlösung
  • Gemeinsame Erfolgskriterien und Messsysteme: Synchronisierung Datenerhebung, gemeinsame Erfolgsindikatoren, kontinuierlicher Lernprozess, geteiltes Verständnis, dass Wirkungsbeobachtung nicht nur der Legitimation und Evaluation, sondern der datenbasierten, optimalen Steuerung als lernendes Programm dient
  • Sich gegenseitig verstärkende Aktivitäten: Gemeinsamer Fahrplan, die Aktivitäten aller Akteure konzentrieren sich auf ihre Stärken und ergänzen die der anderen, effektive Arbeitsteilung
  • Kontinuierliche Kommunikation: Beständige und offene Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen, Fortschritte, Wirksamkeit und Verbesserungsmöglichkeiten werden diskutiert
  • Gut ausgestattete Geschäftsstelle (Back bone): Eine unabhängige Organisation koordiniert, moderiert und unterstützt die Initiative

Kooperation in diesem verstandenen Sinne ist anstrengend. Aber effektiv und wirksam.

Die Herausforderungen für Organisationen werden einfach zu groß, um von diesen alleine gelöst zu werden. Die realen Probleme halten sich eben nicht an die bisherigen Strukturen und Grenzen zwischen Unternehmen und Gesellschaft.

Der Druck der spürbaren Veränderungen in unserer Gesellschaft und in den Unternehmen könnte helfen, das dringend notwendige Zusammenspiel zwischen den Sektoren grundlegend neu zu ordnen.

Sport: Mehr Doppelpässe, besser den freien Raum erkennen statt sich mit einem Solo an der kompakten Abwehr festzurennen.)

Beispiel: Umgang mit Pandemien, logistische Kompetenz von Unternehmen nutzen, von vornherein gemeinsame Aktivitäten abstimmen

Das Zusammenspiel zwischen den Sektoren bedeutet :

Weg von der bereichsbezogenen oder institutionellen Borniertheit, hin zu wirkungsvoller Kooperation.

Weg von immer gleichen Handlungsmustern und hin zur Nutzung komplementärer Kompetenzen in den Sektoren.
Inzwischen wird von immer mehr Verantwortlichen erkannt, dass gegenwärtig Entwicklungen im Gang sind, die eine fundamentale Neuausrichtung erforderlich machen. Es gilt unverändert die Erkenntnis von Albert Einstein : Man kann die Probleme, die mit bestimmten Denkweisen erzeugt wurden, nicht mit denselben Denkweisen lösen.

Die Beharrungskraft der Verhältnisse liegt auch an der Psychologie des Menschen, der dazu neigt, darauf zu achten, dass sich möglichst wenig verändert.

Wir wissen: Disruption macht durch gute Ideen alte Geschäftsmodelle obsolet. Dislocation hingegen passiert, wenn die Geschwindigkeit des (technologischen) Wandels und die Fähigkeit der Anpassung auseinanderdriften. Das heißt, wir müssen schnell genug sein, um nicht den Anschluss an die Zukunft zu verlieren- und langsam genug, um nicht die Verbindung an die wertvollen Erfahrungen aufzugeben.

Unternehmen müssen in diesem Rahmen akzeptieren, dass sie Rechenschaft nicht nur gegenüber einzelnen Gesellschaftern, sondern gegenüber der gesamten Gesellschaft abzulegen haben. Die Unternehmen dürfen sich nicht nur der ökonomischen Wertschöpfung im eigentlichen Sinne verpflichten, sondern sollten ihre Geschäftstätigkeit als ganzheitliche Verantwortung verstehen.

Gute Praxisbeispiele für erfolgreiche Umsetzungen des Collective Impact- Modelles:

Joblinge gAG , Engagierte Stadt, Charta der Vielfalt, „Wir zusammen“zur Integration Geflüchteter, Smart City, Initiative Zukunftsträger (Phineo), Great Place to live, „Bei Anruf Ausbildung in der Krankenpflege“.

Anmerkung: Collective Impact funktioniert dort, wo es von starken Partnern getrieben wird !

Afrikanisches Sprichwort :

Möchtest Du schnell laufen, laufe allein. Möchtest Du weit laufen, laufe mit anderen zusammen.

Wir möchten gerne weit laufen.